Elsa Gindler mit Heinrich Jacoby in Jona, 1956.
Aus: Ludwig (Hrsg.), Elsa Gindler - von ihrem Leben und Wirken, S. 79
Auszüge aus Briefen von Elsa Gindler an Erna Löhrke
(aus: Erinnerungen an Elsa Gindler, Brichte, Briefe, Gespräche mit Schülern, Hsg. Peggy Zeitler, 2. Aufl. München 2000)
Seite 129
April 1953:
"...Der Versuch, sich selber als Instrument wahrzunehmen, zu forschen, zu erkennen, wo wir uns zweckmäßig verhalten oder unzweckmäßig, fällt erfahrungsgemäß allen, die sich mit dem Körper beschäftigen, viel schwerer, als anderen Menschen.
Ich weiß nicht, inwieweit Sie selbst in Schwierigkeiten in Ihrer beruflichen Situation sind. Wenn nicht, rate ich immer ab. Anders ist es, wenn Sie immer wieder vor Konflikten stehen, die sich mit dem bisherigen Vorgehen nicht lösen lassen. Da gibt es dann vielleicht manche Antworten. Wenn Sie sich trotz meiner Bedenken entschließen, sind Sie mir willkommen...
...Es wäre wichtig, zu erfahren, mit welchem Problemkreis Sie sich in der Arbeit auseinandersetzen möchten..."
Seite 130
Mai 1956:
"...Sie werden es auch immer wieder erleben, wie schwer es ist, sich immer wieder von neuem zu begegnen und wie schwer man sich oft auffindet. Das bleibt unsere Aufgabe!
...Es lohnt sich, auch nur ein bisschen mehr bei sich anzukommen."
Seite 130
August 1957:
"...Bei dieser Auseinandersetzung geht es darum, dass fast alle im Anfang des Äußerns sich Aufgaben stellen, die über eine reale Möglichkeit des Realisierens in dieser Etappe weit hinausgehen. Dadurch verführen sie zum 'Ausdruck' und sind für den Sprecher schwer kontrollierbar. Wenn wir Erlebnisse und Erfahrungen zugrunde legen, die uns öfter in unserem Alltag begegnet sind, so haben wir es leichter wahrzunehmen, ob uns auch so zumute ist. Im Anfang nehmen sich die Menschen oft zuviel vor... Da lässt man besser die 'letzten Dinge' zunächst aus, bis man sich in der Alltäglichkeit dieser wunderbaren Möglichkeit mehr genähert hat..."
Aus den Briefen von Elsa Gindler an S.W.:
Seite 140
Sept. 1958:
"Es ist gut, den Tod in unser Leben hineinzunehmen. 'Er reift in uns', wie Rilke so schön sagt, und ich denke, es muss gut tun, eines Tages einzuschlafen. Daran ist nichts Furchtbares, das Werden und Vergehen ist ja so schön in der Natur. Aber das Leben ist auch schön und Sie werden sicher noch viele Schöne Stunden haben, wenn Sie sie als Geschenk nehmen. ... Zerstörtes können wir nicht ändern, das müssen wir akzeptieren. Aber dafür sorgen, dass das Gebliebene nicht immer von neuem gestört wird durch unsere Gewohnheiten - das können wir in die Hand nehmen. ..."